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Warum „alkoholfrei" auf dem Etikett nicht immer bedeutet, was du denkst

Was Schwangere über den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen 0,5 % und 0,0 % wissen sollten

Lisa steht mit ihrem Glas in der Hand am Rand der Terrasse. Es ist der 30. Geburtstag ihrer besten Freundin, die Sonne geht gerade unter, und um sie herum wird gelacht und angestoßen. In ihrem Glas: alkoholfreier Sekt. Seit sie weiß, dass sie schwanger ist, verzichtet sie konsequent auf Alkohol. Natürlich. Auf der Flasche steht schließlich „alkoholfrei".

Doch als sie später zu Hause das Etikett noch einmal genauer studiert, stockt sie. Da steht: „Enthält weniger als 0,5 % vol. Alkohol."

Weniger als 0,5 Prozent? Klingt nach wenig. Aber ist das nicht trotzdem … Alkohol?

Diese Frage stellen sich viele Frauen. Und sie ist berechtigt. Denn was die wenigsten wissen: Nach europäischem Lebensmittelrecht darf ein Getränk als „alkoholfrei" bezeichnet werden, solange es maximal 0,5 Volumenprozent Alkohol enthält – in manchen Ländern wie Italien sogar bis zu 1,2 %. Das ist kein Versehen, kein Etikettenfehler – es ist geltendes Recht.

Was „alkoholfrei" wirklich bedeutet

Die Begriffe „alkoholfrei" und „ohne Alkohol" sind im Lebensmittelrecht keine Synonyme. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kann ein Getränk mit der Bezeichnung „alkoholfrei" legal bis zu 0,5 % Alkohol enthalten – in Italien sogar bis zu 1,2 %. Nur Produkte mit dem Hinweis „0,0 %" oder „ohne Alkohol" garantieren, dass wirklich kein Alkohol enthalten ist – wobei auch hier eine minimale Toleranzgrenze von 0,03 % gilt.

Der Grund für diese Regelung liegt in der Herstellung: Bei vielen alkoholfreien Getränken wird zunächst ein alkoholhaltiges Produkt erzeugt und der Alkohol anschließend durch sogenannte Entalkoholisierungsverfahren wieder entzogen. Mit dem aktuellen Stand der Technik lässt sich dabei nicht immer der gesamte Alkohol entfernen – daher die Toleranzgrenze.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist ausdrücklich darauf hin, dass alkoholfreie Getränke bis zu 0,5 % Restalkohol enthalten können. Für die meisten Menschen ist das irrelevant. Für Schwangere sieht die Sache anders aus.

Warum es in der Schwangerschaft keine sichere Alkoholmenge gibt

Alkohol passiert die Plazenta ungehindert. Was die Mutter trinkt, erreicht innerhalb weniger Minuten in gleicher Konzentration den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes. Anders als bei vielen anderen Substanzen stellt die Plazenta hier keine schützende Barriere dar.

Der entscheidende Unterschied: Dem Fötus fehlt das Enzym Alkoholdehydrogenase, das in der Leber für den Abbau von Alkohol zuständig ist. Während der mütterliche Organismus Alkohol relativ zügig verarbeitet, zirkuliert das Zellgift im kindlichen Körper bis zu zehnmal länger. Die unreife Leber des Fötus kann den Alkohol nicht ausreichend verstoffwechseln.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das italienische Gesundheitsministerium (Ministero della Salute), das Istituto Superiore di Sanità (ISS) sowie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind sich einig: Es gibt keine wissenschaftlich belegte Untergrenze, unter der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft als unbedenklich gilt. Die offizielle Empfehlung lautet daher: vollständiger Verzicht.

Studien zeigen, dass bereits geringe Mengen Alkohol – auch bei seltenem Konsum – das Risiko für sogenannte Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) erhöhen können. Europa hat dabei weltweit die höchste Prävalenzrate: Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 Prozent der europäischen Bevölkerung von FASD betroffen. Populationsstudien aus Italien weisen darauf hin, dass etwa 7 bis 8 von 1.000 Neugeborenen mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms zur Welt kommen – einige Untersuchungen gehen sogar davon aus, dass 2 bis 5 Prozent aller Schulkinder eine Form von FASD aufweisen. In Deutschland werden jährlich rund 10.000 Kinder mit alkoholbedingten Entwicklungsstörungen geboren.

Das Tragische daran: FASD ist zu 100 Prozent vermeidbar.

Die Verunsicherung ist nachvollziehbar

Wer schwanger ist und verantwortungsvoll handeln möchte, steht vor einem Dilemma. Einerseits möchte man auf nichts verzichten müssen – schon gar nicht auf das Gefühl, bei besonderen Anlässen dazuzugehören. Andererseits will man kein unnötiges Risiko eingehen.

Die Getränkeindustrie hat diesen Bedarf längst erkannt. Alkoholfreie Alternativen boomen, die Auswahl in Supermärkten und Getränkeläden wächst stetig. Doch die Kennzeichnung ist oft irreführend. Nicht jedes „alkoholfreie" Produkt ist automatisch frei von Alkohol. Und nicht jede Frau, die in der Schwangerschaft bewusst zur alkoholfreien Variante greift, weiß, dass sie damit möglicherweise doch geringe Mengen Alkohol zu sich nimmt.

Diese Informationslücke ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie intensiv werdende Mütter über Ernährung, Bewegung und Schlaf aufgeklärt werden. Beim Thema Restalkohol in vermeintlich alkoholfreien Getränken herrscht hingegen oft Schweigen.

Der Unterschied, der den Unterschied macht

Es gibt ihn – den Unterschied zwischen „alkoholfrei" und „0,0 %" und er ist mehr als Marketing.

Produkte mit der Kennzeichnung „0,0 %" werden entweder von vornherein ohne jeden Gärungsprozess hergestellt, oder der Alkohol wird vollständig entzogen, sodass kein Restalkohol nachweisbar ist.

Diese Getränke eignen sich für alle, die aus gesundheitlichen, religiösen oder persönlichen Gründen absolut keinen Alkohol konsumieren möchten oder dürfen – nicht einmal in Spuren.

Für Schwangere und alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, bedeutet das: Ein Blick auf das Etikett genügt nicht. Es braucht den Blick auf die richtige Zahl.

Eine Alternative, die nicht nach Verzicht schmeckt

Lange Zeit war die Auswahl für Menschen, die echte 0,0 % suchten, ernüchternd. Säfte, Limonaden, Wasser – alles, was eher nach Kindergeburtstag klang als nach Aperitif unter Erwachsenen. Wer stilvolle Anlässe feiern wollte, ohne Alkohol zu trinken, hatte oft das Gefühl, außen vor zu sein.

Diese Lücke haben Josef Holzner und Florian Lair erkannt. Josef ist Apfelbauer in dritter Generation aus Lana, Südtirol. Sein Vater pflanzte vor über 15 Jahren rotfleischige Apfelsorten – damals noch ohne zu wissen, was daraus einmal werden würde. Zusammen mit dem Unternehmer Florian Lair entwickelte Josef daraus etwas Neues: Sparkling Rocco, einen Apfel-Aperitif, der garantiert 0,0 % Alkohol enthält.

Der Unterschied zu vielen anderen alkoholfreien Alternativen: Sparkling Rocco entsteht ohne Gärungsprozess. Es gibt keinen Alkohol, der nachträglich entzogen werden müsste – und damit auch keinen Restalkohol.

Das Ergebnis ist ein Getränk, das prickelt, das fruchtig-herb schmeckt und das sich nicht anfühlt wie ein Kompromiss. Sondern wie eine bewusste Entscheidung.

Für alle, die nicht auf Pause sind

Schwanger zu sein bedeutet nicht, neun Monate lang auf das Leben zu verzichten. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für das Kind, das heranwächst. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, heißt auch, informierte Entscheidungen zu treffen.

Die Entscheidung für echte 0,0 % ist eine davon.

Nicht aus Angst. Nicht aus Verzicht. Sondern aus dem Wissen, dass es heute Alternativen gibt, die beides ermöglichen: Genuss und Sicherheit. Anlässe feiern und trotzdem auf der sicheren Seite sein. Dazu gehören, ohne Kompromisse eingehen zu müssen.

Denn wer sagt, dass Verantwortung nicht auch gut schmecken kann?

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